Heinz Lang, Kastler Illustrierte - Anfang Ausgabe Jan
1999- 1 |
Kastler Recht 1999
Kastl
(nla). Eine große Anzahl von Bürgern aus Kastl und Umgebung fand sich zum traditionellen
Kastler Recht am Montag auf dem Kastler Marktplatz ein. Am ersten Montag nach
"Dreikönig" holen sich die Kastler seit der Marktrechtsverleihung durch König
Ludwig vor 676 Jahren ihr "Kastler Recht" in den Wirtshäusern des Ortes.
Zu einem einstündigen
Rahmenprogramm hatte der Kulturverein "Kulturkastl" eingeladen. In Filser-Worten
begrüßte Vorsitzender Hermann Forster die Bürger. Ein Herold zu Pferde verlas zum Ende
schließlich die kaiserliche Urkunde zur Marktrechtsverleihung mit den drei Teilen: das
Recht Markt zu halten, die Gerichtsbarkeit in Kastl zu halten und das Abliefern des Zehent
beim Kloster.Bevor es in den Wirtsstuben zünftig aufging, wurde das Kastler
Lokalgeschehen auf die Schippe genommen.
In mehrstimmigen G´stanzln
wurde an das Geschehen des vergangenen Jahres erinnert: Die Öffnung eines neuen
Einkaufsmarktes wurde erwähnt, die zur Schließung des bisherigen führte, der neue
Pfarrer wurde gerügt, weil er zu lange predigt und die bisweilen befremdlichen Liturgie
des Pfarrers von Utzenhofen wurde ausgesungen.
Anschließend wurde durch die
Theatergruppe ein herb-kritisches "Kasperltheater" aufgeführt, womit an eine
Gerichtsverhandlung in Amberg erinnert wurde und dessen Ähnlichkeiten mit lebenden
Personen voll beabsichtigt war. Der Kasperl wirkte als Moderator dieser Aufführung. Der
Reihe nach vorgestellt wurden der Alleinherrscher, König Hanus Raabus, der ohnehin nur
noch drei Jahre regieren will und der Räuberhauptmann Heinz, der nur mit seinem
Standartspruch antwortete: "http://www.kastl.net", Großmutter Sieglinde, die
ihren SPD-Ausweis verlegt hat und seitdem nur noch "schwarz sieht", das
Bademeister-Krokodil, das Korkodilstränen vergießt, weil der König das Freibad
schließen will, und der "Seppl", der als Hofberichterstatter wirkt und nur
deshalb soviele Zeugen vor Gericht zitierte, weil dadurch möglichst viel Zeugengeld
anfiel.
Außerdem wirkten mit ein Kasperltheater-Teufel, der Worte des Sensenmannes aus dem Schweppermannspiel zitierte und eine Gretl, die zur Vernunft aufforderte. Wie die Geschichte künftig weitergeht wurde auch gleich verkündet: "weiterhin 8:7". Eine Bürgerin mit dem unverwechselbaren Birgländer Dialekt stellte fest, "daß es auf die paar Bröckerl vom Birgland auch nimmer ankäme" (das Abwasser vom Birgland soll künftig vor Kastl in die Lauterach eingeleitet werden).
Nach etwas einer Stunde verteilten sich die Besucher auf die Wirtshäuser des Ortes, die von der zünftigen "Kirwa-Musi" der Reihe nach aufgesucht wurden.
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